„Es war mir eine große Ehre, für mehr als vier Jahre ehrenamtlich für Bündnis 90/Die Grünen Pankow tätig gewesen zu sein. Es hat mir viel Spaß gemacht, Kraft und Energie gegeben. Neudeutsch: Purpose. Herzlichen Dank an alle, die diesen Weg mit mir gegangen sind!“
Zum 21. März 2026 habe ich mein Amt als Kreisvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen Pankow niedergelegt. Nun ist der richtige Moment, um innezuhalten und zurückzublicken auf mehr als vier Jahre, die mich politisch und persönlich geprägt haben wie kaum etwas zuvor.
Dieser Text ist kein Rechenschaftsbericht. Er ist der Versuch einer Reflexion: über das, was gelungen ist, über das, was nicht geklappt hat – und darüber, was es bedeutet, sich ehrenamtlich mit Herzblut für eine Sache einzusetzen.
Der Weg in den Vorstand
Am 2. Dezember 2021 wurde ich als Kreisschatzmeister in den Vorstand von Grüne Pankow gewählt – zunächst also als Hüter der Finanzen. Gut sechs Monate später, am 14. Juni 2022, übernahm ich das Amt des Kreisvorsitzenden. In den Jahren 2023 und 2025 wurde ich jeweils in diesem Amt bestätigt.

Kreisvorstand: Das bedeutet einmal die Teilnahme an verschiedensten Sitzungen, informellen wie formellen Treffen im Bezirk, auf Landes- und Bundesebene, Kreismitgliederversammlungen und Parteitagen. Ich hab mal durchgezählt: Bis zu meinem Ausscheiden am 21. März 2026 habe ich allein an rund 84 Kreisvorstandssitzungen teilgenommen – das entspricht einer persönlichen Anwesenheitsquote von mehr als 95 Prozent. Das klingt nach Statistik, bedeutet für mich aber vor allem: verlässliche Mitarbeit über Höhen und Tiefen hinweg auf die lange Distanz. Und ja, Politik hat etwas von einem Marathonlauf.
Was gelungen ist
Ich betone ausdrücklich: Diese Erfolge gehören niemandem allein. Sie sind das Ergebnis von vielen engagierten Menschen im Kreisverband, in den Gremien und auf den Straßen Pankows. Aber ich freue mich, sie in verantwortender Stelle begleitet und mitgestaltet zu haben.
Organisation & Struktur
- Satzungsreform: Wir haben die Gründung von 13 Stadtteilgruppen in Pankow in unserer Satzung verankert – ein wichtiger Schritt hin zu mehr lokaler Verankerung und Beteiligung in einem schnell wachsenden Kreisverband.
- Neue Räumlichkeiten: Die Kreisgeschäftsstelle ist in ein größeres Büro umgezogen, und wir haben eine zweite Geschäftsstelle eröffnet. Ein Detail am Rande: die Renovierung der Toilette in der KGS, sie wird nun bald auch endlich kommen (Beschluss auf meiner letzten Sitzung).
- Professionalisierung: Mit der Einstellung eines zweiten Kreisgeschäftsführers haben wir die hauptamtliche Kapazität des Kreisverbands deutlich gestärkt.
Mitgliederwachstum
Ende 2021 zählte Bündnis 90/Die Grünen Pankow 1.808 Mitglieder. Ende 2025 waren es 2.677 – ein Wachstum von fast 50 Prozent in vier Jahren und deutlich mehr als andere Berliner Kreisverbände. Die Perspektive: Sollte sich der Trend fortsetzen, könnten wir mittelfristig der mitgliederstärkste Kreisverband im Landesverband werden.

Wahlergebnisse
Die vergangenen Jahre waren geprägt von einer dichten Abfolge wichtiger Wahlen – fast alle haben wir als Kreisverband erfolgreich gemeistert:
- Wiederholungswahl AGH & BVV 2023: Alle fünf Direktmandate für das Abgeordnetenhaus wurden verteidigt. In der Bezirksverordnetenversammlung wurden wir stärkste Kraft.
- Erste grüne Bürgermeisterin in Pankow: Die erfolgreichen Zählgemeinschaftsverhandlungen mit CDU und FDP im Frühjahr 2023, an denen ich beteiligt war, mündeten in der Wahl der ersten bündnisgrünen Bürgermeisterin im Bezirk – ein historischer Moment. Der Erfolg zeigt wie wichtig es ist, Bündnisse zu schmieden, um Grüne an die Spitze zu bringen.
- Wiederholungswahl Bundestag 2024: Pankow war von der Wiederholung besonders betroffen. Unser Direktmandat im Wahlkreis konnten wir sicher verteidigen.
- Europawahl 2024: Grüne Pankow wurden mit weitem Abstand wieder stärkste Kraft im Bezirk.
- Bundestagswahl 2025: Trotz einer sehr schwierigen Phase für den Kreisverband konnten wir das bündnisgrüne Direktmandat erneut verteidigen.

Highlights
Wiederkehrende Höhepunkte meiner Zeit im Vorstand waren die Teilnahmen an mehreren Bundesparteitagen. Absolutes Highlight dabei war die BDK im November 2024, in der Robert Habeck zum Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl nominiert wurde. Roberts Politikstil hat mich in diese Partei geführt und ich bin überzeugt, dass sein Weg der bündnisorientierten Mitte weiter der richtige und erfolgsversprechendste ist (auch in Berlin).

Rückschläge und Lernmomente
Ein ehrlicher Rückblick schließt auch die Dinge ein, die nicht so gelaufen sind, wie ich es mir erhofft hatte. Ein paar davon lagen außerhalb meines Einflussbereichs – andere hätte ich vielleicht anders angehen können. Und mir sind auch Fehler unterlaufen, natürlich.
- Ukraine-Antrag: Zur Bundesdelegiertenkonferenz Ende Januar 2022 habe ich mit anderen einen Dringlichkeitsantrag für sofortige Waffenlieferungen an die Ukraine eingebracht und ihn dann doch – nach massivem Druck – wieder zurückgezogen. Es gab die Hoffnung in den Wochen Anfang Februar 2022 der Diplomatie noch eine Chance zu geben. Das hat bekanntlich leider nicht gefruchtet. Im Rückblick war der Antrag aber zumindest ein Debattenbeitrag, der zur schnellen Wendung der Partei hin zu einer klaren Pro-Ukraine-Haltung nach der russischen Vollinvasion beigetragen hat. Darauf bin ich stolz.
- Finanzierungsschlüssel auf Landesebene: Das Geld war wegen der vielen Wahlkämpfe und des Organisationsaufbaus ein ständiges Thema über die Jahre. Ich habe mich – zunächst als Schatzmeister, später als Vorsitzender – auf Landesebene wiederholt für eine Reform des Mitgliedsbeitragsschlüssels eingesetzt (bislang €1,50 pro Mitglied), um den Berliner Kreisverbänden mehr Autonomie in Finanzdingen zu geben. Ich muss jedoch feststellen: Leider blieben diese Bemühungen bislang weitgehend ohne Erfolg.

- Bezirkslistenreform: Als Reaktion auf die AGH-Wahl 2021, als mehrere Kreisverbände ohne oder mit starker Unterrepräsentation in der AGH-Fraktion vertreten waren, habe ich mich mit Verve für eine Reform hin zu Bezirkslisten (statt der bisherigen Landesliste) eingesetzt. U.a. habe ich einen Bezirkslistenrechner entwickelt und in vielen Kreisverbänden für eine Satzungsänderung von Grüne Berlin geworben. Eine Mehrheit konnte dafür in dieser Wahlperiode leider nicht gewonnen werden. Meine Hoffnung ist, dass die Debatte trotzdem etwas gebracht hat. Und zwar im Sinne von dass in der Landespartei die Erkenntnis wächst, dass wir nur eine Chance haben, unser Wählerpotenzial, das ich in Berlin bei 30% und mehr sehe, zu erreichen, wenn wir als Partei der ganzen Stadt wahrgenommen werden. Wir werden sehen, ob es im April 2026 zu einer ausgewogeneren Aufstellung der Landesliste kommt.
- Causa Stefan Gelbhaar: Die Causa stürzte den Kreisverband Ende 2024 / Anfang 2025 in eine tiefe Krise. Als Kreisvorstand haben wir unter enormem Zeitaufwand und Zeitdruck versucht, möglichst neutral, fair und ausgewogen mit einer Situation umzugehen, in der uns bewusst war, dass uns wesentliche Informationen fehlten – um eine möglichst gute Lösung für die Betroffenen und den Kreisverband im Bundestagswahlkampf zu finden. Dabei gab es Momente, wo wir definitiv an die Grenzen des Ehrenamts gekommen sind. Für mich kann ich sagen: Mir ist es nicht gelungen, den in verschiedene Gruppen gespaltenen Kreisverband umgehend wieder zusammenzuführen. Das bedauere ich sehr.
Eine persönliche Niederlage
Am 8. November 2025 habe ich keine Mehrheit erhalten, als Direktkandidat für Pankow für das Abgeordnetenhaus nominiert zu werden. Die Gründe dafür sind vielschichtig. Sicher ist die nicht ausreichende Unterstützung auch ein Echo der Ereignisse von Anfang des Jahres 2025.
Ganz ehrlich: Es gab Augenblicke, da fühlte sich das nach 4 Jahren Ehrenamt im Kreisvorstand, in denen ich auf diesen Moment zugearbeitet habe, für mich reichlich ungerecht an. Verdammt, meine Kampagne, sie stand auch schon! Aber: Es schuldet mir niemand etwas. Politische Mehrheiten sind das Ergebnis von Vertrauen – und Vertrauen muss immer wieder neu verdient werden. Ich akzeptiere dieses Ergebnis.






Fazit
Ich gebe das Amt gerne zurück – denn für mich war immer klar, dass die Rolle im Kreisvorstand ein Job auf Zeit ist.
Mehr als vier Jahre ehrenamtliches Engagement im Kreisvorstand von Bündnis 90/Die Grünen Pankow – das lässt sich nicht in einer Zahl oder einem Satz zusammenfassen. Es waren intensive Jahre voller Debatten, Sitzungen, Wahlkampfnächte, Kompromisse und gelegentlicher Rückschläge. Ohne den Rückhalt meiner Frau und meiner Familie wäre das nicht möglich gewesen. Dafür bin ich sehr dankbar.
Was bleibt? Der Kreisverband ist größer, professioneller und strukturell stärker aufgestellt als 2021. Wir haben in herausfordernden Zeiten wichtige Wahlen gewonnen. Mir hat diese Zeit im Maschinenraum der Demokratie wirklich viel gegeben und ich schaue gerne auf sie zurück. Ein Dank an alle Mitvorstände für die vertrauensvolle Zusammenarbeit und insbesondere an Jenni und Maren, meine Co-Vorsitzenden.
Ich habe verstanden, dass das Ehrenamt dann am besten funktioniert, wenn dahinter echte Überzeugung steht. Es war mir eine Ehre.
